28.06.2024 | Humme’s Einblicke zur EURO 2024

EM im eigenen Land und dann auch noch ein deutsches Team, das nach Spanien mit der zweitbesten Punkteausbeute Gruppensieger geworden ist. Da steigt doch gleich die Vorfreude, aber auch die Nervosität, auf das Achtelfinale um dem Schleswig-Holstein-Cup gegen Dänemark. Natürlich waren auch die Spiele unserer Nationalmannschaft vom üblichen rechtsnationalen Grundrauschen begleitet. Die Frage, ob sich der deutsche Fußball-Fan wieder mehr weiße Spieler in der Nationalmannschaft wünscht, die in einer ansonsten wirklich gutgemachten Dokumentation über Rassismus im deutschen Fußball der ARD gestellt wurde, hat die Herren- und Damenmenschen dieser Nation selbstverständlich zusätzlich motiviert, ihren rassistischen Gedanken Ausgang zu gewähren, um sich in den sozialen Medien niederzulassen.

Wir, die Guten, fanden es dann auch äußerst befriedigend, dass unsere Jungs gegen Ungarn im pinken Trikot, vor den Augen eines Viktor Orban ausgerechnet durch Tore von Musiala und Gündogan das Achtelfinale vorzeitig klargemacht haben. Ja, auch ich habe mich königlich über die zahlreichen entsprechenden Memes amüsiert. Ein, zwei Tage später habe ich aber noch mal gründlich nachgedacht und fand dann meine Reaktion auf die Memes gar nicht mehr so amüsant.

 

Ich weiß, dass meine folgenden Ausführungen für den einen oder anderen nicht leicht zu ertragen sind, sie sollen aber zum Nachdenken anregen und jede/r darf natürlich danach gerne anderer Meinung sein. Wenn Ilkay Gündogan bei dieser EM bisher ein großartiges Turnier spielt, dann sollte ein „ausgerechnet Gündogan“ einzig und allein darauf beschränkt sein, dass er bzw. seine Leistung im Vorfeld der EM in Frage gestellt wurde. Der Ausspruch sollte nichts damit zu tun haben, dass er türkische Wurzeln hat. Wenn ein Jonathan Tah in der Abwehr gekonnt einen Ball weggrätscht, sollte das für uns nicht mehr oder weniger zählen wie die gleiche Aktion durch einen Nico Schlotterbeck. 

 

Ein Tor von Jamal Musiala zählt weder im Turnier mehr noch sollte es in der Gesellschaft mehr zählen als ein Tor durch Kai Havertz. Die Gündogans und Cans, Rüdigers und Henrichs dieser Welt sind aufgrund ihrer Vorfahren nicht weniger wert als die Müllers, Füllkrugs und Mittelstädts, sie sind aber auch nicht mehr wert und sollten auch keinesfalls von uns erhöht werden.  Wenn wir uns aber explizit darüber freuen, dass „ausgerechnet Musiala und Gündogan“ die deutschen Tore geschossen haben, nur weil dadurch jetzt die völkischen Synapsen einiger Kleingeister durchbrennen, ist das vielleicht verständlich, aber leider auch – aus anderen Gründen – auch eine Form von Rassismus. Und nein, es ist keine positive Form von Rassismus, denn die gibt es schlichtweg nicht. 

 

Die Reaktionen nach dem Ungarn-Spiel, auch meine eigene, zeigen, dass wir zwar gerne so tun als ob, es aber immer noch nicht vollkommen normal und somit nicht mehr erwähnenswert ist, wenn eine Mensch mit Migrationshintergrund in Deutschland erfolgreich ist. Solange wir aber daran festhalten, es explizit zu erwähnen, dass „ausgerechnet Musiala und Gündogan“ die deutschen Tore geschossen haben, ist es für uns alle noch ein weiter Weg. Ich prognostiziere, dass wir eher Europameister werden als dass wir den Rassismus vollständig überwinden.“

Braun kommt bei mir nur in die Windel!

Marx`s Einblick vom 28.01.2024 | Gestern waren meine Frau Gül und ich das 2. Mal in unserem Leben auf einer Demo. 5.000 Menschen haben in unserer Heimatstadt Düren friedlich demonstriert. Als ich unseren Kaiserplatz betrat standen mir die Tränen in den Augen.
Wie oft hatte ich in meiner Jugend meine geliebte Oma gefragt „Omi, warum habt ihr damals nichts gegen die Nazis unternommen?“ Ihre Antwort: „Wir haben nichts davon gewusst!“ Heute wissen wir davon! Ich möchte, wenn mein Enkel mich später fragt, nicht wie meine Oma lügen müssen. DANKE Düren! Ich bin so stolz auf Dich! #duerenerbuergergegenrechts #wirsindmehr #duerenistbunt Das Foto stammt übrigens von Jo Ecker. Danke Jo für deine Verwendungsfreigabe. Herzlichst, Hartwig Marx

Die Demokratie hat gerufen und alle sind gekommen!

Humme's Einblick vom 28.01.2024 | Seit 2013 beschäftige ich mich mit der AfD. Seit 2013 warne ich vor der AfD. Ich gebe gerne zu, dass mir mein Kampf gegen die AfD und für die Demokratie in diesen 10 Jahren oft genug wie ein Kampf gegen Windmühlen vorkam. Einerseits hat es lange gedauert, bis ich erkannt habe, dass diese mühseligen Online-Diskussionen mit AfD-Anhängern einfach fruchtlos sind, andererseits hatte ich häufig das Gefühl, dass meine Warnungen in meinem Freundes- und Bekanntenkreis größtenteils ignoriert wurden.

Auch sonst hatte ich in den sozialen Medien das Gefühl, dass es immer nur die gleichen Personen waren, die sich bei entsprechenden Posts eindeutig für die Demokratie und gegen die AfD positioniert hatten, während die breite Masse zu allem schwieg und sich eher desinteressiert gab.

Ich schicke diese Einleitung voraus, damit die Leser:innen nachvollziehen können, was der gestrige Tag für mich bedeutet. Meine Frau, meine Tochter und ich kamen so gegen 11:30 Uhr auf dem Kaiserplatz an und schon da konnte man erahnen, dass die Demo weit mehr als die üblichen 150 – 200 Teilnehmer haben würde. Ich möchte jetzt nicht zu pathetisch werden, aber ich hätte niemals damit gerechnet, dass 5.000 Menschen an einer Demo in Düren teilnehmen würden. Wenn man an einem solchen Tag feststellt, dass es doch weitaus mehr Menschen sind als bislang vermutet, die sich für den Erhalt von Menschenwürde, Menschenrechte und Demokratie einsetzen, löst das schon etwas in einem aus.

Diese Kundgebung hatte auf einen Schlag mehr Teilnehmer, als alle AfD-Demos, – Veranstaltungen und -Kundgebungen, die jemals im Kreis Düren stattgefunden haben, zusammen. Kein Wunder, dass die Dürener AfD-Fanbase derzeit freidreht und alle möglichen Verschwörungstheorien äußert.

Wir haben gestern viele gute und aufrüttelnde Redebeiträge gehört. Einen Beitrag muss ich aber besonders hervorheben: Lucas Eugster, der 16-jährige Initiator von „Jugend vs. Diskriminierung“ war derart beeindruckend, dass ich zeitweise nur noch mit offenem Mund dastand und gestaunt habe. Es gehört schon einiges dazu, sich mit 16 Jahren ohne Skript vor 5.000 Menschen zu stellen und diese zu begeistern. Kudos, Lucas!

Die Demonstrationen der letzten Tage, die deutschlandweit mittlerweile weit mehr als 2 Mio. Menschen auf die Straße gebracht haben, stellen eindrucksvoll unter Beweis, dass es noch nicht zu spät ist und wir das Ruder noch herumreißen können. Es ist jetzt an uns, diese Flamme der Hoffnung nicht verlöschen zu lassen. Es ist aber auch Aufgabe der Politik, dieser Flamme den nötigen Sauerstoff zu bieten. Dazu aber in den nächsten Tagen mehr.

Heute möchte ich einfach nur „Danke Düren“ sagen. Ihr habt mir gestern genügend Motivation mitgegeben, um mich weiter für die Demokratie und gegen den Faschismus zu engagieren.

Herzlichst, Klaus Humme